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14. Fernschach-Olympiade

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Horst Broß: Weltmeister per E-Mail

Horst BroßUnser Vereinsmitglied Horst Broß wurde mit der deutschen Nationalmannschaft Fernschach-Weltmeister. Mit 5 Siegen und 5 Remisen bei einer noch nicht beendeten Partie erfüllte er in der Finalrunde gleichzeitig auch die letzte noch erforderliche Norm zum Fernschach-Großmeister. Wir gratulieren herzlich zu diesem außergewöhnlichen Erfolg!

Wer könnte einen qualifizierteren Turnierbericht erstellen, als der Spieler selbst? Ich habe Horst also gebeten, für unsere Homepage einen Turnierbericht sowie ein paar Zeilen über das Fernschach im Allgemeinen zu verfassen und seine interessanteste Partie zu kommentieren. Die folgenden Beiträge entstammen seiner Feder.

(td 10.02.2005)

Bericht von der 14. FS-Olympiade

Deutsche Fernschach-Nationalmannschaft Auf dem Mannschaftsfoto sind zu sehen von links nach rechts: Frank Gerhard (Brett 2), Dr. Andreas Brenke (Brett 4), Horst Broß (Brett 5), Dr. Stephan Busemann (Brett 3), Peter Hertel (Brett 1), Dr. Hans-Joachim Hofstetter (Brett 6), Dr. Matthias Kribben (Mannschaftsführer), Dr. Fritz Baumbach (BdF-Präsident)

In 4 Vorrundengruppen mit jeweils 12 Mannschaften begann die 14.Fernschach-Olympiade am 25.09.2000. Jede Mannschaft besteht aus 6 Spielern (Brett 1 - 6) und einem Mannschaftsführer. Erstmalig in der Fernschachgeschichte werden alle Züge per Email übertragen. Die Bedenkzeit beträgt 60 Tage für jeweils 10 Züge. In der 4. Vorrundengruppe konnte sich die deutsche Mannschaft als Gruppensieger vor der Tschechischen Republik und den USA durchsetzen. Die anderen 3 Gruppensieger waren Argentinien, Litauen und Ungarn. Insgesamt haben sich aus jeder Gruppe die drei erstplazierten Mannschaften für das Finale qualifiziert. In der Vorrunde spielte ich am 6. Brett und erzielte ein Ergebnis von 8,5 aus 11. Damit konnte ich die Brettwertung gewinnen.

Aufgrund des hervorragenden Abschneidens in der Vorrunde, wurde die komplette Mannschaft auch für das Finale norminiert. Das war in der Vergangenheit allerdings nicht immer so. In vielen Fällen trat in der Vorrunde nur eine B-Mannschaft an und im Finale spielten dann die Crack´s. Dennoch gab es zwei Spielerwechsel, da die Spieler Christian Sender und H.-E.- van Kempen auf einen Final-Einsatz verzichteten. Die eigentliche Endrunde begann dann am 27.12.2002. Diesmal spielte ich an Brett 5. Als schärfster Konkurrent zeichnete sich sehr schnell die Mannschaft aus Litauen ab. Aber auch das französische Team hielt noch lange Zeit den Anschluß. Nach ca. einem Jahr Spielzeit war aber abzusehen, dass es für uns um den Turniersieg geht. An meinem Brett war die Schlüsselpartie mein Remis gegen Chris Sergel aus den USA. Mit Schwarz stand ich in einer Caro-Kann-Partie lange Zeit unter starkem Druck, konnte aber mit viel Mühe das Remis halten. Dann liefen auf einmal alle anderen Partien für mich und ich konnte Punkt um Punkt einfahren. Nicht auszudenken jedoch, wenn ich gleich die erste Partie verloren hätte...

Am 26.01.2005 kam vom Turnierleiter die erlösende Nachricht, dass wir nicht mehr von Platz 1 zu verdrängen sind; denn Litauen hatte in zwei anderen Partien Punkte abgeben müssen. Deutschland wurde somit zum dritten Mal hintereinander Mannschaftsweltmeister.

(Horst Broß, 08.02.2005)

Info´s zum Fernschach

Der wesentliche Unterschied zum "Nahschach" ist die Tatsache, dass die Gegner sich nicht am Brett gegenübersitzen, sondern räumlich voneinander getrennt sind und die Bedenkzeit sich nicht in Minuten berechnet, sondern in Tagen. Ansonsten gelten die ganz normalen Schachregeln. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Zugübertragung, z. B. per Postkarte, per Fax, per Email oder per Server. Man spielt in einem Turnier immer alle Partien gleichzeitig. Somit wird es nie langweilig, da man sich ständig mit neuen Stellungen beschäftigen muß. Auch kann man mehrere Turniere gleichzeitig spielen, sodass jeder seinen Streßfaktor selbst bestimmen kann.

Es gibt ein sogenannten Klassensystem, d. h. man beginnt in der sogenannten offenen Klasse und kann durch Turniersiege in die jeweils höhere Klasse (Hauptklasse, Meisterklasse) aufsteigen. Weiterhin gibt es nationale und internationale Turniere. Mit dem Gewinn eines Meisterklassen-Turnieres erwirbt man z. B. die Qualifikation für ein WM-Semifinalturnier. Hierin kann man sich dann für ein Kandidaten-Turnier qualifizieren und letztendlich für ein WM-Finale. Ich selbst begann 1991 mit dem Fernschach und mir gelang ein Durchmarsch bis hin zum Finale der 20. FS-WM. Hierbei handelt es sich um eine Gruppe mit 15 Spielern. Im Gegensatz zur Fernschach-Olympiade ist dies ein Einzelwettbewerb. Der Sieger ist dann der 20. Weltmeister und wird in etwa 5 Jahren feststehen, da bei diesem Turnier die Züge überwiegend per Postkarte übermittelt werden.

Informationen zum Fernschach gibt es beim deutschen Fernschachbund (BdF). Die Homepage-Adresse lautet www.bdf-fernschachbund.de.

(Horst Broß, 08.02.2005)

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